CAMILLO SCHAEFER

"Verena von Rotterdam ist eine Personalunion zwischen einem Engel des Lichts und der Göttin der Finsternis"
Alexander Sixtus von Reden, Spediteur geistiger Inhalte, Wien-Budapest-Sebenico
"Beeindruckend an den Arbeiten von Verena Rotterdam ist die aus den klaren Flächen entstehende Tiefe sowie die strikte
Farbgebung die den Gegenstand in den Mittelpunkt stellt."Dr. Peter Vitouch
Ihre Erscheinung verbindet die lockenden Attribute der Frauengestalt mit der Miene des nicht ganz erwachsen sein wollenden Halbkindes, das lächelnd die tiefsinnigsten Gedanken hervorbringen kann; ihr klares Gesicht, welches seinerseits selber den idealisierten Bildnissen eines Amerling, Feuerbach oder Makart entlehntscheint, widerspiegelt einesteils äußerste Sensibilität, die sich halbversteckt offenbart, andernteils deren inszeniertes Gegenbild. Dem gemäß begleiten Rotterdams zahlreiche Auftritte in der hedonistischen Wiener Partygesellschaft häufig Bonmots, die sich, bei naherem Hinhören, meist als ans unsichtbare Ohr der Wirklichkeit gesprochene Wahrheiten erweisen.
Die im OEuvre der Künstlerin stets wiederkehrend, bunt gefiederte Galerie exotischer Papageien, die bezeichnenderweise Benennungen wie „Die Erfolgreichen" oder „Der Insider“ für sich beanspruchen, stößt an die Modelle dieser Gesellschaftskarawane das freche Imponiergehabe der großen Vogel, die libidinösen Obsessionen, die halbgeöffneten Schnabel nehmen in unheimlicher Angleichung das Menetekel eitler and blasierter Sprechblasen vorweg.
Aber Rotterdams Aktionsdrang zielt, nicht bloß im äußeren Sinn, auf das Geheimnis der Form and der ästhetischen Konzeption ab: die überwältigende Vielfalt der Farben in der Beziehung zur Schönheit zu setzen, könnte, vereinfacht ausgedruckt, programmatisch für die Gegenwartskünstlerin sein, wäre da nicht zuallererst ein festes Ordnungssystem, das alle ihre Bilder kennzeichnet. Der herausragende Rang, den die Verführungskraft der Farbe darin einnimmt, bestätigt Goethes viel zitiertes Diktum, die Farben seien Taten and Leiden des Lichts, ebenso bekenntnisvoll wie die Farbtheorien Franz Marcs, der Pop- Art, der Werbung, der Mode.
Eine fleischliche Versuchung, tritt der aus Licht, Schatten and zuckenden Valeurs geschaffene Menschenakt aus der eindimensionalen Bildflache mitten ins atmende Dasein; vom Gewaltangriff malerischer Reflexion zerlegt, findet sein Mythos sich in Rotterdams Bildern wieder.
Ihr Kanon, Leuchtkraft and Farbenkitzel, besteht auf den Anspruch einer Sinnlichkeit, welche, vorzugsweise in Reitergruppen and sonstigen Sportbildern, die Gleichzeitigkeit von Erstarrung and Bewegung hinter den Metaphern verschlüsselter Lebensskepsis verschränkt.
Zu erregt abgetönten Bildsequenzen montiert, verpflichtet ihre Malerei sich weder der Raumillusion noch irgendwelchen Naturreproduzierenden Wirklichkeitsimitaten, sondern der Fülle artifizieller Konturen.
Rotterdams ins Qualitative stilisierte Durchdringung der Welt erreicht mittels ihrer eigenen Schubkraft, gewissermaßen die Doppelgestalt des Einzelwesens hinter den gewohnten Konturen hervorzuziehen.
Camillo Schaefer
Schriftsteller
