DR. GÜNTHER NENNING

Ist Sport ein Vergnügen!
Weit triebt es mich. So geriet ich, der ich ein begeisterter Antisportler bin, auf Sport im Reich der Kunst. Vergnügte mich an den „Sportmärchen“ von Öden von Horwarth, wo ein beübter Bergsteiger einen Abgestürzten tot auffindet und bei diesem eine Ansichtkarte an dessen Mutter, die er getreulich zur Post bringt. Heinrich Jungnickel, Großvater der Wiener klassischen Moderne, war der erste, der Tennisspielerinnen malte. Bezeichnungsweise war Jungnickel, der Sportmaler, im Hauptberuf“ Tiermaler.
Ja, die Sportler und die Tiere. Verena Rotterdam (geboren 1965 in Wien) malt Pferde, Reiter, Polospieler sehr gerne auch Papageien und Akte, vorzüglich männliche. Das Feld von Kunst und Sport ist sehr weit. Ist Sport ein Vergnügen? Wie soll man´s glauben? Menschen die sich unmenschlich abstrampeln; das heißt „Leistungssport“ und ist Masochismus.
Massen Gewalttätiger in den Stadien – es gibt Tote.
Aber ich will mich nicht fortreißen lassen und sag schon nix, sondern im Gegenteil: mittellateinisch „ disportare“ wörtlich „ sich auseinandertragen“ , dann: sich zerstreuen, sich vergnügen“ – wird zu altfranzösisch „ desport „ , mittelenglisch „ sport“. Im Deutschen schreibt der Germanist J. G. Kohl, 1844:
„ Die Sport… Wir haben für dieses Wort kein entsprechendes und sind daher gezwungen, es in unserer Sprache aufzunehmen“. – Ehrenrettung des Sport: Sport heißt Vergnügen.
Verena Rotterdam, verheiratet, zwei Kinder, heißt genau genommen Verena Gräfin von Auersperg-Rotterdam. Malerin wurde sie im Schülerkreis von Friedensreich Hundertwasser, zu Ihren Anhängern gehört Franz Fuchs und Hermann Nitsch. Aber sie malt wie keiner der hiermit Erwähnt. Sondern sie bedeckt Ihre Leinwände mit herzhaft leuchtenden Acrylfarben, ist im übrigen aber kühl auf poppigen Realismus eingestellt. Die Reichweite ihres Stils umspannt Menschen und Tierliebe, Aristokratie und Snobismus. Wenn man näher hinschaut, gewinnt man den Eindruck von wohlverborgener Ironie. Das stimmt sympathisch.
Aristokratie und Sport gehören seit je zusammen. In England, wo Wort und Sache „ Sport“ herkommt ist der Sport groß daheim in Literatur und Malerei. Bei uns ist Sport aber kaum zweihundert Jahre alt. Verena Auersperg-Rotterdam hat also eine junge Tradition hinter sich, die sie farbenkräftig und umtriebig gerne wahrnimmt.
Der erste Wort und Sache „Sport“ in deutschen Breiten erwähnt ist, Herman Ludwig Heinrich Fürst von Pückler-Muskau, 1785 – 1871, Schriftsteller und Gartenarchitekt, in beiden ein genialer Mann. Die Pücklers, ein in der Lausitz ansässig, kamen aus Schlesien und ursprünglich (14. Jahrhundert) aus Niederösterreich.
Passt recht gut auf Verena, Gräfin von Auersperg-Rotterdam.
Man kann ihr auf diese Weise nicht böse sein, sondern darf sie frohen Mutes präsentieren als talentieren Bestandteil unserer heutigen Kunst-Szene. Sie erfreut sich in Ihrer Besonderheit der Aufmerksamkeit und Kauflust eines Publikums, das Society und Sportfreunde aller Sorten umfasst und dessen Anwachsen man vergügt registriert.
Verena Rotterdams Kunstrichtung ist attraktiv gemischt aus exzessiver Offenheit und sportlicher Exklusivität. Heute, im Zeitalter des Sport, der auf allen Linien siegt, darf man ihr weiteren Aufstieg getrost voraussagen.
Text: DDr. Günther Nenning (Kronenzeitung vom 29.2.2004)
